Beispiele & Vorlagen

Abschlussrede Beispiele

Zwei ausformulierte Abschlussreden: die Schülersprecherin beim Abiball, der Schulleiter bei der Abschlussfeier. Mit Analyse, warum jede Rede funktioniert.

Zwei komplette Abschlussreden, jede aus einer anderen Rolle: die Schülersprecherin beim Abiball, der Schulleiter bei der Abschlussfeier einer Realschule. Die Namen sind erfunden, die Mechanik ist echt. Nach jeder Rede steht, warum sie trägt — damit du das Muster für deinen eigenen Jahrgang nutzen kannst. Den Aufbau dahinter erklärt die Seite Abschlussrede schreiben.

Beispiel 1: Die Schülersprecherin beim Abiball

Situation: Abiball in der Stadthalle, 96 Absolventen, dazu Eltern und Lehrkräfte. Die Schülersprecherin spricht nach der Zeugnisübergabe, gut drei Minuten.

Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, liebe Eltern, liebe Lehrkräfte,

1.460 Tage. So lange waren wir zusammen an dieser Schule, wenn man ab der Einführungsphase zählt — und an ungefähr 1.100 davon hat Herr Matussek uns erklärt, dass wir „so nicht durchs Abi kommen“. Herr Matussek: Wir sind durchs Abi gekommen. Sie dürfen das heute ruhig gut finden.

Ich habe für diese Rede zwanzig Leute aus dem Jahrgang gefragt, welcher Moment ihnen bleibt. Keiner hat eine Klausur genannt. Genannt wurden: der Feueralarm mitten in der Mathe-LK-Klausur, als halb 12b im Schneeregen auf dem Sportplatz stand und Aylin laut gefragt hat, ob man das als Rücktritt werten kann. Die Kursfahrt nach Prag, auf der unser Bus schon auf dem Hinweg zweimal liegen blieb und Herr Böhme am Straßenrand angefangen hat, Vokabeln abzufragen. Und der Kuchenverkauf, mit dem wir in drei Jahren genau 4.212 Euro für diesen Abend eingenommen haben — danke an alle, die dafür sonntags gebacken haben.

An unsere Eltern: Danke, dass ihr uns geweckt habt, obwohl wir behauptet haben, längst wach zu sein. Danke für jede Fahrt zum Bahnhof um 6:40 Uhr. Ihr wart das Schienennetz hinter diesem Abschluss.

An unsere Lehrerinnen und Lehrer: Frau Okafor, Sie haben unsere Deutschklausuren auch nach der dritten Terminverschiebung noch am Wochenende korrigiert. So etwas übersieht man mit siebzehn — und merkt es sich dann für immer.

Und an uns: Ab morgen gibt es diesen Jahrgang so nicht mehr. Wir verteilen uns auf Ausbildungen, Hörsäle, Auslandsjahre und mindestens ein Work-and-Travel-Jahr, Jonas. Zum ersten Mal seit acht Jahren liegt vor uns ein Weg ohne Stundenplan, und ehrlich: Ein bisschen Angst gehört dazu. Aber wer den Feueralarm in der Mathe-Klausur überstanden hat, übersteht auch ein Erstsemester.

Ich wünsche uns, dass wir uns wiedersehen, ohne dass ein Klassentreffen-Komitee uns dazu zwingen muss. Auf uns, auf den Abschluss — und auf alle, die uns hierher getragen haben. Danke.

Warum diese Rede funktioniert: Der Einstieg ist eine Zahl plus ein Lehrer-Lacher, der liebevoll bleibt — Herr Matussek kann in der ersten Reihe mitlachen, weil die Pointe dem Jahrgang gehört. Die Rednerin hat vor dem Schreiben zwanzig Leute gefragt; deshalb erzählt sie Momente, bei denen fast alle dabei waren, und jeder Insider bekommt genug Szene, dass auch Großeltern mitkommen. Der Dank hat pro Gruppe ein konkretes Beispiel (6:40-Uhr-Fahrten, korrigierte Klausuren am Wochenende). Der Schluss benennt die Angst vor dem Danach, ohne sie zu überspielen, und holt sie mit dem Feueralarm-Callback wieder ein. Der letzte Satz ist ein Toast und beendet die Rede hörbar.

Beispiel 2: Der Schulleiter bei der Abschlussfeier

Situation: Abschlussfeier des 10. Jahrgangs einer Realschule in der Aula, der Schulleiter spricht vor der Zeugnisausgabe, knapp drei Minuten.

Liebe Absolventinnen und Absolventen, liebe Eltern, liebes Kollegium,

ich halte diese Rede zum zwölften Mal, und jedes Mal nehme ich mir vor, keine Lebensweisheiten zu verteilen. Heute schaffe ich es fast.

87 von euch bekommen gleich ein Zeugnis. Dahinter stehen sechs Jahre, rund 6.400 Unterrichtsstunden und — das habe ich im Sekretariat nachzählen lassen — 214 Entschuldigungen mit der Formulierung „familiäre Gründe“. Einige davon waren sogar wahr. Frau Steger aus dem Sekretariat lässt übrigens ausrichten, dass sie euch vermissen wird. Alle. Sogar die 10c.

Ich will von einem Morgen im Februar erzählen. Um 7:20 Uhr fiel im B-Trakt die Heizung aus, drei Klassen mussten in die Aula umziehen. Als ich um 7:40 Uhr dazukam, trug die 10c bereits Tische aus dem Musikraum herüber — Begründung: „Wir regeln das selbst, Herr Demir kommt eh erst um acht.“ Ihr habt an dem Morgen in zwanzig Minuten organisiert, wofür Verwaltungen sonst Wochen brauchen. Das steht in keinem Zeugnis, und es ist das Beste, was ich über euch weiß.

Gleich seid ihr Absolventen dieser Schule. Ein Teil von euch fängt im August eine Ausbildung an, ein Teil wechselt aufs berufliche Gymnasium, drei gehen für ein Jahr ins Ausland. Ich gebe euch einen einzigen Ratschlag mit, mehr ist heute nicht erlaubt, ich habe es versprochen: Regelt Dinge selbst, bevor ihr euch beschwert. Der Februar-Morgen war kein Zufall — macht ihn zur Gewohnheit, und man wird euch überall brauchen.

Liebe Eltern, Ihnen gratuliere ich mit. Sie haben Mathearbeiten unterschrieben, deren Note Sie lieber übersehen hätten, und am nächsten Morgen trotzdem Brote geschmiert. Das Kollegium und ich wissen, dass dieser Abschluss eine Mannschaftsleistung ist.

Und jetzt höre ich auf, bevor mir doch noch eine Lebensweisheit herausrutscht. Holt euch eure Zeugnisse ab — ihr habt sie euch verdient. Herzlichen Glückwunsch zum Abschluss. Die Bühne gehört euch.

Warum diese Rede funktioniert: Der selbstironische Einstieg räumt die Erwartung „jetzt kommt die Schulleiter-Predigt“ ab und wird am Ende als Callback eingelöst. Die Zahlen stammen erkennbar aus dem eigenen Haus — 214 Entschuldigungen zählt kein Redenbuch, das zählt ein Sekretariat. Die Kern-Anekdote zeigt den Jahrgang aus einer Perspektive, die nur der Schulleiter hat; genau darin liegt der Wert der Lehrerrede gegenüber der Schülerrede. Der eine Ratschlag ist aus dieser Anekdote abgeleitet und dadurch gedeckt. Der Dank an die Eltern kommt mit einem Detail, das jeder im Saal wiedererkennt. Und der Schluss übergibt sauber an den nächsten Programmpunkt, die Zeugnisausgabe.

Das Muster hinter beiden Reden

Beide folgen demselben Grundriss: ein Einstieg mit Zahl oder Selbstironie, zwei bis drei Momente, die dem ganzen Jahrgang gehören, Dank mit konkretem Beispiel, ein Blick nach vorn, ein klarer Schlusssatz. Was sich ändert, ist die Perspektive — die Schülersprecherin erzählt von innen und sammelt ihre Momente vorher im Jahrgang ein, der Schulleiter erzählt, was er von außen gesehen hat, und würdigt. Wenn du deine eigene Rede baust: Frag zuerst fünf Leute nach ihren Momenten, schreib dann den Schlusssatz, und fülle erst danach die Mitte. Den kompletten Aufbau mit Länge, Varianten und typischen Fehlern erklärt die Seite Abschlussrede schreiben — und eloqole macht aus euren Erinnerungen den fertigen Entwurf, exakt in deiner Sprechzeit.

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