Beispiele & Vorlagen

Forschungspräsentation Beispiele

Zwei ausformulierte Beispiele für die wissenschaftliche Präsentation: die komplette Vortragseröffnung einer Doktorandin auf der Fachtagung und eine 10-Folien-Dramaturgie mit Kernsatz pro Folie. Mit Analyse der Mechanik.

Zwei Bausteine, an denen die meisten Konferenzvorträge hängen: der Einstieg und der Folienplan. Beide stehen hier komplett ausformuliert — die Studien sind erfunden, die Dramaturgie ist echt. Nach jedem Beispiel steht, warum es trägt. Den Aufbau dahinter erklärt die Seite Wissenschaftliche Präsentation.

Beispiel 1: Die Vortragseröffnung auf der Fachtagung

Situation: Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, 15-Minuten-Slot am Nachmittag, elfter Vortrag des Tages. Miriam Stenzel, Doktorandin im dritten Jahr, stellt ihre erste eigene Studie vor. Die ersten zwei Minuten:

Guten Tag. Mein Name ist Miriam Stenzel, ich promoviere an der Universität Hohenheim im Fachgebiet Bodenbiologie.

Bevor ich zu unseren Daten komme, eine Zahl aus der Praxis: Ein Hektar Ackerland in Baden-Württemberg bekommt pro Jahr im Schnitt sieben Tonnen Kompost. Kompost gilt als der saubere Dünger — regional, kreislauffähig, gefördert. Was in der Förderlogik nicht vorkommt: Mit jeder Tonne kommen nach unseren Messungen im Mittel 895 Plastikpartikel pro Kilogramm auf den Acker. Der Kompost stammt aus der Biotonne — also auch aus Ihrer und meiner.

Unsere Forschungsfrage war deshalb: Reichert sich Mikroplastik aus Kompostdüngung im Oberboden messbar an — und wenn ja, wie schnell?

Die Antwort vorweg, damit Sie wissen, worauf die nächsten zwölf Minuten hinauslaufen: Ja, und schneller, als die gängigen Eintragsmodelle vorhersagen. Auf Flächen mit mehr als zehn Jahren Kompostdüngung fanden wir im Mittel 1.480 Partikel pro Kilogramm Boden, das Dreifache der mineralisch gedüngten Vergleichsflächen. Der Zusammenhang mit der Düngedauer ist linear. Ein Plateau sehen wir nicht.

Wie wir zu diesen Zahlen gekommen sind: Wir haben 60 Ackerflächen in drei Landkreisen beprobt, die Hälfte kompostgedüngt, die Hälfte mineralisch, gematcht nach Bodentyp und Fruchtfolge. Die Partikel haben wir per Raman-Spektroskopie identifiziert, ab zehn Mikrometern Größe. Details zur Probenaufbereitung liegen auf einer Backup-Folie — fragen Sie gern in der Diskussion danach.

In den nächsten Minuten zeige ich Ihnen drei Dinge. Erstens die Anreicherungskurve über die Düngejahre. Zweitens, welche Polymere dominieren — kleiner Spoiler: Die Mulchfolie ist es nicht. Und drittens, was unsere Daten für die Novelle der Bioabfallverordnung bedeuten, die gerade verhandelt wird. Fangen wir mit der Kurve an.

Warum das funktioniert: Das Ergebnis steht in Minute zwei, komplett mit Effektgröße — der Saal kann der Herleitung folgen, weil er das Ziel kennt. Der Einstieg holt die Relevanz aus der Praxis (sieben Tonnen Kompost pro Hektar) und zieht sie mit der Biotonne bis in den Alltag der Zuhörer. Die Methode passt in vier Sätze: Stichprobe, Design, Messinstrument, fertig — die Details wandern angekündigt auf die Backup-Folie, das signalisiert Souveränität und entlastet den Hauptteil. Und die Agenda enthält einen Haken („Die Mulchfolie ist es nicht”), der eine Erwartung bricht und den Saal bis zum zweiten Teil hält. Der Hinweis auf die laufende Novelle gibt der Diskussion ein Thema, bevor sie beginnt.

Beispiel 2: Die 10-Folien-Dramaturgie mit Kernsatz pro Folie

Situation: Kongress der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, 15 Minuten plus Diskussion. Jonas Brenner, Doktorand, stellt eine Feldstudie zu geplantem Kurzschlaf im Rettungsdienst vor. Der Kernsatz ist der eine Satz, den er zu jeder Folie sagt, bevor er sie erklärt:

Folie 1 — Titel und Aufhänger. „Um vier Uhr morgens reagiert ein Rettungssanitäter im Schnitt so verzögert wie ein Autofahrer mit 0,8 Promille — und genau in diesem Fenster wird am häufigsten alarmiert.”

Folie 2 — Forschungsfrage. „Wir wollten wissen: Verhindert ein geplanter 20-Minuten-Schlaf zwischen zwei und vier Uhr diesen Einbruch?”

Folie 3 — Kernergebnis. „Er verhindert ihn: Die Nap-Gruppe war um 4:30 Uhr 22 Prozent schneller als die Kontrollgruppe — auf dem Niveau, das beide Gruppen um Mitternacht hatten.”

Folie 4 — Methode. „132 Einsatzkräfte auf elf Rettungswachen, randomisiert nach Wache, drei Monate lang, Reaktionszeit gemessen per Psychomotor-Vigilance-Test direkt im Dienst.”

Folie 5 — Hauptbefund als Kurve. „Ohne Nap fällt die Leistung ab zwei Uhr steil ab, mit Nap bleibt die Kurve flach — die Schere öffnet sich genau im Fenster mit den meisten Alarmierungen.”

Folie 6 — Der stärkste Einwand: Schlaftrunkenheit. „Die Sorge vor dem Aufwach-Loch können wir entkräften: Zwölf Minuten nach dem Wecken war die Reaktionszeit wieder auf Ausgangsniveau, und kein einziger Einsatz startete früher.”

Folie 7 — Praxisrelevanz. „Eine Wache mit 4.000 Einsätzen im Jahr fährt rund 640 davon nach zwei Uhr nachts — das ist die Zahl, um die es hier geht.”

Folie 8 — Limitationen. „Was die Studie nicht leisten kann: Wir haben Reaktionszeiten gemessen — ob dadurch Behandlungsfehler seltener werden, muss eine Folgestudie zeigen.”

Folie 9 — Einordnung in die Literatur. „Unser Effekt liegt über dem der Laborstudien — vermutlich, weil eine echte 24-Stunden-Schicht müder macht als jede simulierte.”

Folie 10 — Kernaussage und Einladung. „Zwanzig Minuten geplanter Schlaf sind die günstigste Sicherheitsmaßnahme im Nachtdienst — und mich interessiert, wer von Ihnen schon Erfahrungen mit dem Widerstand aus der Dienstplanung gemacht hat.”

Warum das funktioniert: Das Ergebnis steht auf Folie 3, die Methode braucht eine einzige Folie — die klassische Falle, acht Minuten Stichprobenbeschreibung, ist damit ausgeschlossen. Jede Folie trägt genau eine Zahl und einen Satz, der allein stehen kann; wer nur die zehn Kernsätze hört, kennt die Studie. Folie 6 nimmt den Einwand vorweg, der in jeder Nap-Diskussion als Erstes kommt, und Folie 8 benennt die Grenze der Studie selbst — der kritischsten Frage aus dem Saal ist damit die Spitze genommen. Die letzte Folie verzichtet auf „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit” und öffnet die Diskussion mit einer konkreten Frage, auf die Praktiker im Saal antworten wollen.

Das Muster dahinter

Beide Beispiele drehen die Paper-Logik um: Das Ergebnis kommt vor der Herleitung, die Methode wird auf das Vertrauensminimum gekürzt, die Limitation spricht die Vortragende selbst aus. Der Test für deinen eigenen Vortrag: Schreib zuerst den einen Kernsatz pro Folie auf — wenn diese Satzfolge die Studie erzählt, steht die Dramaturgie, und der Rest ist Ausschmückung. Wie du von dort zum fertigen Sprechtext kommst, zeigt die Seite Wissenschaftliche Präsentationeloqole schreibt ihn dir exakt auf dein Zeitfenster.

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