Zwei komplette Beispiele für den Investoren-Pitch: ein ausformulierter 3-Minuten-Pitch für die Bühne und die Storyline eines 10-Folien-Decks fürs Partner-Meeting, mit dem Kernsatz zu jeder Folie. Die Firmen sind erfunden, die Mechanik ist echt. Den Aufbau dahinter erklärt die Seite Investoren-Pitch schreiben.
Beispiel 1: Der 3-Minuten-Pitch auf dem Demo Day
Situation: Accelerator Demo Day, 3 Minuten, im Publikum sitzen Business Angels und zwei Frühphasen-Fonds. Das Start-up: Restlos, Software gegen Lebensmittelabfall in Großküchen.
Eine Betriebskantine mit 800 Essen am Tag wirft jeden Mittag etwa 40 Kilo gekochtes Essen weg. Nicht, weil die Köche schlecht planen — sie planen blind. Niemand misst, was in der Tonne landet. Die Küche weiß auf den Cent, was der Wareneinkauf kostet, und hat keine Ahnung, wofür sie ein Viertel davon bezahlt.
Wir sind Restlos. Über der Abfalltonne hängt unsere Kamera, darunter steht eine Waage. Jedes Blech, das abgeworfen wird, erkennt die Software automatisch: 8 Kilo Kartoffelgratin, 14 Uhr, Ausgabelinie zwei. Der Küchenchef sieht am Abend zum ersten Mal, was er wegwirft — und unsere Planungsvorschläge sagen ihm, wie viel er morgen kochen sollte.
Das Ergebnis in Zahlen: Unsere 62 Kundenküchen haben ihren Abfall im ersten halben Jahr um durchschnittlich 28 Prozent gesenkt. Für eine Kantine mit 800 Essen sind das 2.400 Euro Wareneinsatz pro Monat. Wir kosten 490. Deshalb liegt unsere Kündigungsquote nach zwölf Monaten bei null — es hat noch kein Kunde gekündigt.
Der Markt: Allein in Deutschland gibt es 21.000 Betriebskantinen und Mensen dieser Größenordnung. Bei unserem Preis sind das 120 Millionen Euro pro Jahr, bevor wir über Krankenhäuser, Hotels oder das Ausland reden. Wir wachsen seit acht Monaten um 15 Prozent monatlich, komplett über zwei Vertriebspartner im Catering-Großhandel.
Wir sind drei Gründer: Meine Mitgründerin hat neun Jahre Großküchen geleitet, unser CTO hat zuletzt Bilderkennungssysteme für die Qualitätskontrolle bei einem Automobilzulieferer gebaut. Ich habe fünf Jahre Catering-Verträge eingekauft und dabei dieses Problem von der anderen Seite gesehen.
Wir raisen 1,5 Millionen Euro Seed für 18 Monate: damit skalieren wir den Partnervertrieb von 2 auf 10 Regionen und kommen von 62 auf 300 Küchen. Wenn Sie sehen wollen, was eine einzige Mittagsschicht in die Tonne wirft — die Live-Ansicht unserer Testküche läuft auf meinem Tablet. Kommen Sie nachher vorbei.
Warum das funktioniert: Der Einstieg macht das Problem in einer Szene sichtbar (40 Kilo, jeden Mittag) und benennt die Absurdität dahinter: Wareneinkauf auf den Cent bekannt, Abfall unbekannt. Die Lösung kommt als Bild, das jeder nacherzählen kann — Kamera über der Tonne. Die Traction ist doppelt belegt: Ersparnis gegen Preis gerechnet (2.400 zu 490 Euro) und null Kündigungen als härtester Beweis. Die Marktgröße ist von unten hergeleitet, 21.000 Kantinen mal Jahrespreis, keine Milliarden-Studie. Das Team ist in drei Sätzen erklärt, jeder Satz begründet eine Fähigkeit. Und der Ask nennt Summe, Zeitraum und Meilenstein — gefolgt von einer Einladung, die aus Zuhörern Gesprächspartner macht.
Beispiel 2: Die Storyline eines 10-Folien-Decks
Situation: Partner-Meeting bei einem Seed-Fonds, 20-Minuten-Slot. Das Start-up: Ladeplan, Software für das Lademanagement von E-Transporter-Flotten in Handwerk und Pflege. Pro Folie steht hier der Kernsatz, den die Gründerin dazu spricht — die Folie zeigt jeweils nur eine Zahl oder eine Grafik.
Folie 1 — Titel. „Ladeplan sorgt dafür, dass jeder E-Transporter morgens voll ist und die Stromrechnung trotzdem sinkt.”
Folie 2 — Problem. „Ein Pflegedienst mit zwölf E-Fahrzeugen und acht Ladepunkten spielt jeden Abend Tetris: Wer lädt wann? Heute entscheidet das ein Zettel am Schlüsselbrett — und wenn er falsch ist, fällt morgens eine Tour aus.”
Folie 3 — Lösung. „Ladeplan kennt die Touren von morgen, die Strompreise von heute Nacht und den Akkustand jedes Fahrzeugs — und verteilt die Ladevorgänge automatisch. Der Fahrer steckt einfach an.”
Folie 4 — Produkt-Demo. „Das ist der Bildschirm einer Disponentin um 17 Uhr: Sie sieht auf einen Blick, dass alle zwölf Fahrzeuge bis 6:30 Uhr fertig sind, und musste dafür nichts tun.”
Folie 5 — Markt. „In Deutschland elektrifizieren gerade 48.000 Betriebe mit Flotten zwischen 5 und 50 Fahrzeugen. Bei 89 Euro pro Standort und Monat ist das ein erreichbarer Markt von gut 50 Millionen Euro jährlich — Handwerk und Pflege zuerst, weil dort die Touren am planbarsten sind.”
Folie 6 — Geschäftsmodell. „Wir verkaufen Software-Abos pro Standort, nicht pro Fahrzeug — der Betrieb kann wachsen, ohne dass wir teurer werden. Das macht die Kaufentscheidung einfach und den Vertragswert planbar.”
Folie 7 — Traction. „Seit Januar: 41 zahlende Standorte, 22 Prozent Monatswachstum, und unser wichtigster Kanal sind die Elektro-Installateure, die die Wallboxen montieren — 6 von 10 Neukunden kommen über dieses Partnernetz.”
Folie 8 — Wettbewerb. „Die großen Lademanagement-Anbieter bauen für Logistikkonzerne ab 200 Fahrzeugen; unter 50 Fahrzeugen lohnt sich deren Projektgeschäft nicht. Unser USP ist der Zuschnitt auf kleine Flotten: Installation in einem Nachmittag, keine IT-Abteilung nötig.”
Folie 9 — Team. „Meine Mitgründerin hat bei einem Ladesäulen-Hersteller das Produktmanagement geleitet, ich habe vorher die Disposition eines Gebäudedienstleisters mit 70 Fahrzeugen digitalisiert. Wir haben beide Seiten dieses Problems schon einmal beruflich verloren geglaubt.”
Folie 10 — Ask. „Wir raisen 2 Millionen Euro für 20 Monate: Ausbau des Installateur-Vertriebs auf 400 Partner und die Integration der fünf größten Wallbox-Hersteller. Damit stehen wir bei 350 Standorten — der Punkt, an dem sich die Series A aus den Zahlen ergibt.”
Warum das funktioniert: Jede Folie hat genau eine Aufgabe und einen sprechbaren Kernsatz — die Storyline funktioniert sogar ohne Folien, das Deck illustriert nur. Das Problem kommt als Szene (Zettel am Schlüsselbrett), die Marktgröße ist von unten gerechnet und begründet die Reihenfolge der Zielgruppen. Folie 7 nennt neben den Zahlen den Vertriebskanal, also den Grund für das Wachstum. Die Wettbewerbsfolie erklärt, warum die Lücke existiert, statt zu behaupten, es gäbe keine Konkurrenz. Und der Ask endet mit dem Meilenstein, der Investoren am meisten interessiert: dem Weg zur nächsten Runde.
Das Muster hinter beiden Beispielen
Beide Pitches rechnen vor, statt zu behaupten: Ersparnis gegen Preis, Markt von unten, Wachstum mit benanntem Treiber. Beide erklären das Team über zwei, drei Sätze Berufserfahrung am Problem, und beide enden mit einem Ask aus Summe, Zeitraum und Meilenstein. Der Unterschied liegt im Format: Der 3-Minuten-Pitch verdichtet auf Problem, Beweis und Ask, das 20-Minuten-Deck darf Geschäftsmodell und Wettbewerb ausbreiten. Wie du beide Fassungen aus denselben Bausteinen entwickelst, zeigt die Seite Investoren-Pitch schreiben.