Beispiele & Vorlagen

Nachruf Beispiele

Drei ausformulierte Nachruf-Beispiele: geschäftlicher Nachruf auf einen langjährigen Mitarbeiter, Vereinsnachruf im Mitteilungsblatt, persönlicher Nachruf der Familie in der Zeitung. Mit Analyse, warum jeder trägt.

Zuletzt aktualisiert am 9. Juli 2026

Drei komplette Nachrufe, jeder für einen anderen Ort der Veröffentlichung. Die Namen sind erfunden, die Form ist echt. Nach jedem Text steht, warum er trägt, damit du das Muster auf deinen eigenen Nachruf übertragen kannst. Den Aufbau dahinter erklärt die Seite Nachruf schreiben.

Beispiel 1: Der geschäftliche Nachruf der Firma

Situation: Rundschreiben an die Belegschaft und Anzeige in der Lokalzeitung. Ein Werkzeugmechaniker, 34 Jahre im Betrieb, mit der Familie abgestimmt.

Wir trauern um unseren Kollegen

Werner Kaminski

der am 12. Juni im Alter von 61 Jahren verstorben ist.

Werner kam 1992 als Werkzeugmechaniker zu uns und hat unsere Fertigung 34 Jahre lang geprägt. Er hat die Lehrwerkstatt mit aufgebaut, in der seither 87 junge Menschen ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Viele von ihnen arbeiten heute in unserem Haus, und fast alle nennen Werner als den, der ihnen Geduld beigebracht hat.

Wer ihn suchte, fand ihn an der Fräsbank oder am Kaffeeautomaten im Erdgeschoss, wo er jedem Azubi dieselbe erste Frage stellte: „Was hast du heute gelernt?” Sein Rat war knapp, sein Maßstab hoch, seine Tür offen.

Wir verlieren mit ihm einen Kollegen, dem dieser Betrieb mehr verdankt, als eine Anzeige sagen kann. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Sabine und seinen beiden Söhnen.

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Geschäftsführung und Belegschaft der Feinwerk Nord GmbH

Warum dieser Nachruf trägt: Der Verdienst ist benennbar: die Lehrwerkstatt, 87 Auszubildende. Solche Zahlen könnten in keinem anderen Nachruf stehen, und genau das unterscheidet Würdigung von Floskel. Die Szene am Kaffeeautomaten gibt dem Text ein Gesicht, das jeder im Betrieb wiedererkennt. Die Abschiedsformel nennt die Angehörigen beim Namen; das setzt voraus, dass die Familie den Text vorab gesehen hat, und dieser Nachruf wurde abgestimmt.

Beispiel 2: Der Vereinsnachruf im Mitteilungsblatt

Situation: Mitteilungsblatt eines Sportvereins, eine halbe Seite mit Foto. Ehrenmitglied, Gründerin der Mädchen-Handballabteilung.

Der TSV Grünfeld trauert um sein Ehrenmitglied

Helga Rautenberg

die am 3. Mai im Alter von 84 Jahren verstorben ist.

Helga gehörte unserem Verein seit 1961 an. 1974 hat sie die Mädchen-Handballabteilung gegründet, gegen erhebliche Zweifel in der damaligen Vorstandssitzung, und sie 22 Jahre lang als Trainerin geführt. Drei ihrer Spielerinnen haben es bis in die Regionalliga geschafft. Wichtiger war ihr etwas anderes: Kein Mädchen sollte je wegen des Beitrags aufhören müssen. Wo das Geld fehlte, hat Helga still dafür gesorgt, dass es da war. Wie oft, hat sie nie verraten.

Bis zum letzten Herbst saß sie bei jedem Heimspiel oben links auf der Tribüne, mit Thermoskanne und einem Notizheft, in dem sie die Fehler unserer Abwehr sammelte. Der Vorstand bekam die Liste montags. Sie hatte meistens recht.

Der TSV Grünfeld verliert eine Frau, die diesen Verein über sechs Jahrzehnte mitgebaut hat. Unsere Anteilnahme gilt ihren Kindern und Enkeln.

Der Vorstand des TSV Grünfeld

Warum dieser Nachruf trägt: Das Ehrenamt wird konkret erzählt: Gründungsjahr, 22 Jahre Training, die stillen Beitragshilfen. Die Anekdote mit dem Notizheft bringt die Leser zum Lächeln, ohne die Würde des Textes anzutasten; im Vereinsblatt ist dafür Platz, weil viele Leser Helga persönlich kannten. Auch der Widerstand von 1974 darf vorkommen. Er macht ihren Verdienst größer und bleibt trotzdem versöhnlich erzählt.

Beispiel 3: Der persönliche Nachruf der Familie in der Zeitung

Situation: Nachruf der Kinder in der Tageszeitung, etwa zwei Wochen nach der Beisetzung. Wenige Zeilen, jede kostet.

Unser Vater Karl-Heinz Böttcher

ist am 21. Juni im Alter von 79 Jahren gestorben.

Er war 41 Jahre lang Briefträger in Wanne-Eickel und kannte jede Haustür seines Bezirks. Wer krank war, bekam die Post bis an die Wohnungstür gebracht, auch als das längst nicht mehr zu seinen Aufgaben gehörte.

Nach der Rente gehörte sein Morgen dem Garten und der Nachbarschaft. Drei Winter lang hat er für Frau Salewski von gegenüber den Weg freigeräumt und ihr die Zeitung an die Tür gelegt. Uns erzählt hat er das nie. Wir haben es erst nach der Trauerfeier von ihr erfahren.

Er hat wenig Worte gemacht. Sein Garten steht in voller Blüte. Wir gießen ihn weiter.

In Liebe und Dankbarkeit

Marion und Uwe mit ihren Familien

Warum dieser Nachruf trägt: Kein Lebenslauf, keine Superlative. Zwei Beobachtungen zeigen den Menschen: die Post an der Wohnungstür, der geräumte Weg. Dass die Kinder eine davon erst von der Nachbarin erfahren haben, sagt mehr über diesen Vater als jedes Adjektiv. Der Schlusssatz mit dem Garten ersetzt die übliche Abschiedsformel durch ein Versprechen, und genau solche Sätze bleiben Lesern im Gedächtnis.

Das Muster hinter allen drei Nachrufen

Alle drei folgen demselben Grundriss: Name und Bezug zuerst, dann ein konkreter Verdienst, eine persönliche Erinnerung, ein Abschiedswort. Was sich ändert, sind Länge und Nähe: Die Firma bleibt sachlich und warm, der Verein darf schmunzeln lassen, die Familie darf ganz leise werden. Wenn du deinen eigenen Nachruf schreibst, sammle zuerst die eine Erinnerung, die nur zu diesem Menschen passt. Der Rest ordnet sich darum. Wie der Aufbau im Einzelnen funktioniert, steht auf der Seite Nachruf schreiben.

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