Zwei komplette Reden zur Taufe, wie sie beim Essen nach dem Gottesdienst gehalten werden: eine von der Patin, eine von den Eltern. Die Familien sind erfunden, der Aufbau ist übertragbar. Nach jeder Rede steht, warum sie funktioniert. Den Aufbau dahinter erklärt die Seite Rede zur Taufe schreiben.
Beispiel 1: Die Patin spricht — Sarah für Frieda
Situation: Tauffeier im Gasthaus nach dem evangelischen Gottesdienst, 35 Gäste, etwa zweieinhalb Minuten.
Liebe Familie, liebe Freunde — und liebe Frieda, auch wenn du davon heute nichts mitbekommst, weil du seit dem Orgelnachspiel tief und fest schläfst.
Ich bin Sarah, seit heute Vormittag offiziell deine Patin. Für alle, die mich noch nicht kennen: Ich bin die, mit der Friedas Mama seit der fünften Klasse jede Mathearbeit, jeden Umzug und jeden schlechten Freund durchgestanden hat. Als sie mich im Winter gefragt hat, ob ich das machen will, saßen wir in ihrer Küche, du warst ungefähr so groß wie das Nudelholz neben uns, und ich habe erst mal geweint. Dann habe ich Ja gesagt. In dieser Reihenfolge.
Frieda, ich kenne dich jetzt sieben Monate. Ich weiß über dich: Du findest Schlüsselbunde besser als jedes gekaufte Spielzeug, du lachst, wenn jemand niest, und du hast die Geduld deines Papas — also gar keine. Das ist nicht viel Wissen für eine Rede. Aber es reicht für ein Versprechen.
Ich verspreche dir drei Dinge. Erstens: Bei mir darfst du Sachen, die zu Hause verhandelt werden müssen. Pommes zum Frühstück fallen vermutlich darunter. Zweitens: Ich erzähle dir irgendwann, wie deine Eltern wirklich zusammengekommen sind — die lange Version, mit dem Teil, den dein Papa immer weglässt. Und drittens: Wenn du mal jemanden brauchst, der einfach nur zuhört und nichts an deine Eltern weitergibt, dann bin ich das. Das gilt mit sieben Monaten, mit sieben Jahren und mit siebzehn.
Deine Eltern haben für dich einen Taufspruch ausgesucht: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ Sie haben Wochen gesucht und zwei Kandidaten wieder verworfen, bevor es dieser wurde. Ich finde, er passt. Und ich habe vor, einer dieser Wege zu sein — der mit den Pommes.
Deine Mama hat übrigens die Taufkerze selbst gezogen, die vorhin in der Kirche brannte. Falls sie jemandem schief vorkam: Das ist Handarbeit, das gehört so.
Auf Frieda!
Warum dieses Beispiel funktioniert: Die Rede löst das Grundproblem jeder Taufrede — über ein Baby gibt es wenig zu erzählen — indem sie das Wenige genau benennt: Schlüsselbund, Niesen, Geduld. Das wirkt ehrlicher als geliehene Poesie. Die drei Versprechen sind das Herzstück und steigen von komisch (Pommes) zu ernst (zuhören, ohne weiterzutragen); so bekommt der Kern der Patenrolle Gewicht, ohne dass die Rede schwer wird. Der Taufspruch wird mit einem Rückgriff auf den Pommes-Witz geerdet, der Schlenker zur selbst gezogenen Taufkerze verteilt noch ein Kompliment an die Mutter — und der Toast am Ende gibt den Gästen ein klares Signal zum Anstoßen.
Beispiel 2: Der Vater spricht für die Eltern — Jan über Anton
Situation: Feier im Garten der Großeltern nach katholischer Taufe, 40 Gäste, etwa drei Minuten.
Liebe Gäste — im Namen von Marie und mir: herzlich willkommen, und danke, dass ihr da seid. Einige von euch sind heute Morgen um fünf losgefahren, um pünktlich in der Kirche zu sitzen. Anton hat es euch gedankt, indem er exakt beim Übergießen mit dem Taufwasser eingeschlafen ist. Der Pfarrer meinte, das sei ihm in dreißig Jahren noch nicht passiert. Danke auch an Oma Christel für diesen Garten — sie mäht seit Dienstag jeden Tag, damit er heute so aussieht.
Vor einem Jahr gab es Anton noch nicht. Das muss man sich mal klarmachen. Vor einem Jahr haben Marie und ich sonntags ausgeschlafen und hatten Meinungen zu Themen wie „Kinderwagen sind doch alle gleich“. Heute wissen wir: Es gibt 40 Sorten Pastinakenbrei, und Anton verweigert 39 davon. Wir würden trotzdem keinen einzigen Tag zurücktauschen. Na gut — den 14. März vielleicht, aber da waren wir alle drei übermüdet.
Warum wir Anton taufen lassen, hat uns in den letzten Wochen der eine oder andere gefragt. Für uns ist es das hier: dieser Kreis. Wir haben heute vor euch allen versprochen, diesen kleinen Menschen zu begleiten — und ihr habt es mit angehört. Jetzt seid ihr Zeugen. Ausreden gelten nicht mehr, liebe Paten.
Damit zu euch, Sarah und Tobias. Ihr wart die einfachste Entscheidung dieses ganzen ersten Jahres. Sarah, du warst drei Stunden nach der Geburt in der Klinik, mit belegten Broten. Tobias, du hast beim Umzug den Wickeltisch dreimal auf- und wieder abgebaut, ohne ein einziges Mal zu fluchen. Genau solche Menschen wünscht man seinem Kind.
Anton, falls du das hier in zwanzig Jahren liest: Wir wünschen dir Neugier auf alles, was hinter dem Gartenzaun liegt. Einen Freund, der dir belegte Brote bringt, wenn es ernst wird. Und die Gewissheit, dass du hierher immer zurückkannst — egal, was du angestellt hast. Frag deinen Opa, der kennt das von mir.
Und jetzt: Erhebt die Gläser. Auf Anton!
Warum dieses Beispiel funktioniert: Die Begrüßung dankt mit einem konkreten Detail (Anreise um fünf Uhr) statt mit Floskeln und holt sich mit der Taufwasser-Anekdote den ersten Lacher aus dem Gottesdienst selbst. Der Kontrast „vor einem Jahr / heute“ erzählt das Elternjahr in zwei Sätzen — die Zahl der Breisorten ersetzt jede Rührseligkeit. Stark ist der Dank an die Paten: zwei Belege statt Adjektive, die belegten Brote kehren später im Wunsch an Anton wieder. Die Wünsche am Ende sind an das erwachsene Kind adressiert; das gibt der Feier einen Blick nach vorn und dem Schlusstoast seine Fallhöhe.
Das Muster hinter beiden Taufreden
Beide Reden bauen auf denselben vier Schritten auf: Begrüßung mit konkretem Dank, ein ehrlicher Blick auf das Kind mit den zwei, drei Details, die es jetzt schon ausmachen, dann Versprechen oder Wünsche als Herzstück, zuletzt ein klarer Toast. Die Patin spricht das Kind direkt an, die Eltern sprechen zu den Gästen — beides funktioniert, solange die Rede unter vier Minuten bleibt und jeder Gast die Anekdoten versteht. Aufbau, Länge und die häufigsten Fehler im Detail findest du auf der Seite Rede zur Taufe schreiben.